Was für die elektronische Gesundheitskarte spricht


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Foto von flickr, creative commons, Autor: anh quan

Unter dem oben genannten Titel berichtete das Hamburger Abendblatt zum Thema Gesundheitskarte und listete Argumente für die neue Karte auf:

  • Doppeluntersuchungen bei Hausarzt und Facharzt oder Krankenhaus entfallen.
  • Neue Ärzte sehen durch einen verbesserten Informationsfluss schneller, welche Beschwerden ein Patient bereits hatte. Es gibt schon im Notfalldatensatz Hinweise auf Allergien und Unverträglichkeiten.
  • Die Sicherheit beim Verschreiben von Medikamenten und beim Abholen in der Apotheke wird erhöht.
  • Patienten wünschen sich einen elektronischen Arztbrief, um selber besser informiert zu sein. Die e-Card wäre der Schlüssel für diese Möglichkeit.
  • Nach Umfragen der Krankenkassen (vor allem Techniker) stehen die Patienten generell der elektronischen Gesundheitskarte positiv gegenüber.
  • Die Patienten können demnächst ihre Krankendaten selbst managen. Vor allem die DAK ist in ihren IT-Anwendungen für die e-Card weit fortgeschritten.
  • Dem Missbrauch wird vorgebeugt, weil es jetzt endlich Fotos auf der Karte gibt. Dadurch steigt die Hemmschwelle, die Karte eines anderen beim Arztbesuch zu gebrauchen und so die Kassen und alle Versicherten zu betrügen und finanziell zu schädigen. Man kann die Karte auch online sperren.
  • Die Abrechnung vor allem der Rezepte und Hilfsmittel wird erleichtert. Apotheken lesen die Rezepte auf der Karte und rechnen schneller ab. Das spart Bürokratiekosten in Millionenhöhe.
  • Experten der Gematik sagen, für Datensicherheit sorgen sogenannte getunnelte Verbindungen. Dadurch werden die Patientendaten gesichert.
  • Mit der Gesundheitskarte öffnen sich die deutschen Versicherten für Online-Anwendungen, die ihnen auch bei Krankheiten und Operationen im Ausland nutzen können.
  • Mit der Karte werden alle 120 000 Praxisärzte, die Krankenhäuser, 20 000 Apotheken und weitere Beteiligte im Gesundheitswesen verknüpft. Das hilft womöglich Milliardenkosten sparen.

Insgesamt mehren sich nach meinem Eindruck nach anfänglicher Skepsis in der breiten Öffentlichkeit die positiven Kommentare zur elektronischen Gesundheitskarte.

Heise online berichtet:

Mit der Zulassung der ersten Karten der Generation 1 hoffen die Befürworter der elektronischen Gesundheitskarte, dass ein neuer Schwung in den zäh anlaufenden Rollout-Prozess kommt. Im Unterschied zu den bisher in den Tests eingesetzten Karten der Generation 0 müssen die Weiterentwicklungen online-fähig sein: Die Krankenkassen müssen in der Lage sein, Versichertendaten auf der Karte online verändern zu können. Diese Fähigkeit erspart ihnen beispielsweise die Ausgabe neuer Karten bei einem Adressenwechsel des Versicherten. Eine von den Kassen getragene Initiative namens ProOnline VSDD hatte sich für die vorgezogene Ausgabe dieser Karten stark gemacht, die freilich Konnektoren benötigen, damit der Online-Zugriff auf die Karten erfolgen kann. Zuletzt hatte das Telematik-Projekt gerade in diesem Bereich mit dem Ausstieg von Siemens aus der Konnektoren-Produktion einen schweren Rückschlag erlitten. Siemens stellt nach eigenen Angaben bisher 80% der Geräte in den verschiedenen Feldtests, bei denen die Online-Anbindung ausprobiert wurde.

4 Antworten

  1. Das ist wohl ein viel kontroverseres Thema als es sich die Legislative je gedacht hat, oder?
    An eHealth-Lösungen und vor allem elektronischen Lösungen wird man bei den steigenden Kosten wohl nicht vorbei kommen. Inwieweit man dafür geliebte Sicherheiten aufgeben muss oder diese vielleicht auch weiter bestehen bleben können, ist die große Frage.
    Ich bin sehr gespannt, wie der Weg zur eGK weitergeht.

  2. sehe ich ganz genau so. Das Thema hat große Zukunft, die Sicherheit muss meines Erachtens nach nicht aufgegeben werden, die grundsätzliche Sorge darum ist aber gerechtfertigt.

    Dietmar Krause

  3. Ich halte überhaupt nichts von der Gesundheitskarte. Ich halte nichts von einer zentralen Datenerfassung. Die gespeicherten Daten haben für einen potentiellen Angreifer einen riesen Wert und die Daten werden in die Hände dritter fallen. Diabetiker und sonst chronisch kranke und deren Kinder und Enkel werden dann sehr schlechte Berufsaussichten haben. Was passiert, wenn in 60 Jahren wieder eine Diktatur an die Macht kommt? Was wird die dann mit diesen Daten machen?

    Die Bürokratie wird meiner Einschätzung nach exorbitant erhöht. Ich habe Rechnung zu diesem Thema gehört, die einen Systemkollaps vermuten lassen.

    Was passiert bei einem Systemausfall? Können dann keine Patienten mehr versorgt werden? Das ist auch ein riesen Problem … aber die Datensicherheit wiegt IMHO am schwersten. Ich sehe dadurch das auf der Schweigepflicht des Arztes basierende Arzt-Patienten-Verhältnis ausgehebelt.

    Kritiker der Gesundheitskarte werden von der Gesundheitskarten- Lobby systematisch mundtot gemacht (z.B. Thomas Maus, siehe Vortrage auf dem 22C3 und 23C3 und weitere….)

    http://www.die-krankheitskarte.de

    B., Assistenzarzt

  4. Ob die Daten zentral oder dezentral gespeichert werden ist noch gar nicht entschieden. Die Daten sind auch verschlüsselt. Hierzu existiert ein Whitepaper zur Datensicherheit von der Gematik: https://dietmarkrause.wordpress.com/2008/09/26/whitepaper-zur-datensicherheit-der-elektronischen-gesundheitskarte/
    In der Tat gehen die Bemühungen zur Datensicherheit schon so weit, dass sie hinderlich werden. In bin nicht ganz sicher, ob Oma Müller mit ihrer 8 stelligen Pin klar kommen wird, die sie braucht, damit überhaupt irgendetwas gespeichert wird auf welchem server auch immer. Daten über uns finden sich überall im Netz, wie sie sicherlich wissen, diese sind wesentlich gefährlicher als die verschlüsselten Daten zu ihrer Dauermediaktion. Im übrigen werden Ende des Jahres die ersten Kassen die neue Karte ausgeben, so dass dem niedergelassenen Arzt nichts übrig bleibt, als ein Kartenlesegerät zu kaufen. Das von Ihnen beschriebene Szenario bezieht sich überhaupt erst auf die onlinephase, die erst in einigen JAhren kommt, wenn überhaupt. Bis dahin bleibt auch mit der neuen Karte erst mal alles bleim alten – ohne jede Speicherung.
    Dietmar Krause

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