Patientenakten


In Deutschland scheint mir der Schutz der digitalen Akte vor dem unberechtigten Zugriff derzeit die größte Herausforderung zu sein. Mit den Verschlüsselungskonzepten der eGK und des HBA hat die Gematik eine extrem hohe Messlatte angelegt. Prototypen wurden z.B. im Rahmen der www.egesundheit.nrw.de auf der letzten Medica präsentiert.
Die Freigabe des jeweiligen Zugriffs durch eGK und PIN-Eingabe macht die Anwesenheit des Patienten erforderlich. In der Praxis wird dies kaum umsetzbar sein. So mögen z.B. dringliche Untersuchungsergebnisse erst vorliegen, wenn der Patient schon nicht mehr anwesend ist.
Die Initiative  www.FallAkte.de (eFA) vernetzt Akten, die sich auf den jeweiligen Behandlungsfall mit einem begrenzten Kreis von explizit berechtigten Personen bzw. Institutionen beschränkt. Allerdings sind die spezifizierten Datenschutzkonzepte bisher noch nicht von einem Landesdatenschützer bestätigt worden.
Daneben gibt es einige lokale Lösungen, die miteinander wetteifern. Solange noch unklar ist, wer die Infrastruktur und den Zusatzaufwand für das verantwortungsvolle Einstellen von Dokumenten bezahlt, bleibt m.E. dieser Wettkampf noch offen.
Je mehr Daten gesammelt werden, desto wichtiger wird natürlich die Strukturierung. Der kleinste gemeinsame Nenner ist das PDF-Dokument mit simplen Meta Daten wie Betreff, Datum, Autor. Da die Quell-Systeme (KIS, PVS) eine darüber hinausgehende Semantik implementieren müssten, wird dies nach meiner Einschätzung längere Zeit der praktikable Weg bleiben.

Die Sicherheitskonzepte sind derzeit so durchdacht, das im Lifebetrieb dann weder der Patient noch der Arzt an die Daten zuverlässig herankommen wird. Man konnte dieses auf den einschlägigen Vorführungen schon negativ bewundern. Die Technik spielt da regelmäßig einen Streich und wird durch immer aufwendiger Verschlüsselungs- und Übertragungsverfahren in keinster Weise besser. Das Internet als Datendrehscheibe ist dazu sicherlich nicht uneingeschränkt geeignet.
Bei der ganzen öffentlichen Diskussion der Vergangenheit wird derzeit nicht der absolut simpelste Fall ernsthaft diskutiert, und das ist die Strukturierte Datenablage auf einer Patientenkarte, welche wie ein USB Stick funktionieren könnte. Der Patient muss grundsätzlich über den Inhalt ohne wenn und aber informiert werden können bzw. auf einem eigenen Rechner die Daten zumindest einsehen können. Die derzeitigen Verschlüsselung- und Host-Verfahren sind viel zu Aufwendig und haben meiner Meinung nach nichts mit einer Kostenersparnis und Komfort, sondern mit einer weitern Verkomplizierung unseres ohnehin überfrachteten Verwaltungs-Gesundheitswesen zu tun.

Soweit mir bekannt spielen Patientenakten in Deutschland fast ausschließlich innerhalb der Primärsysteme der einzelnen Abteilungen bzw dem Krankenhausinformationssystem (KIS) eine Rolle. Üblicherweise enthält jedes einzelne Abteilungssystem eine eigene Patientenakte, die im Optimalfall durch eine übergreifende Akte in KIS (z.B. von Agfa, Siemens, iSoft, Meierhofer, Nexus) gebündelt wird. In der Praxis funktioniert dieses Konzept aber nicht immer und stößt spätestens bei einrichtungsübergreifenden Akten (wie z.B. beim Konzept der Fallakte) an seine Grenzen. Hier gibt es einige Hersteller (Siemens, Microsoft, dbMotion, ICW), die übergreifende Meta-Patientenakten anbieten, mit denen die Daten verschiedenster Primärsysteme zu übergreifenden Gesamtakten zusammengefasst werden können. Bei diesem Szenario spielen Datenschutz und Berechtigung wieder eine größere Rolle, die Konzepte dafür sind aber z.B. recht umfangreich vom Fraunhofer Institut in der Fallaktenspezifikation beschrieben.

Quelle: Diskussionsverlauf Xing Gruppe Medizin IT

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