Elektronische Gesundheitskarte startet Ende 2010 in Nordhessen

Der offline rollout geht weiter: wie der Vorstand der BKK B. Braun Melsungen AG heute mitteilt, ist für Ende 2010 der schon lang angekündigte Start der elektronischen Gesundheitskarte in Nordhessen zu erwarten. Nachdem die gesetzlichen Krankenkassen schon vor einigen Monaten ihre Versicherten aufgefordert hatten, Lichtbilder für die Erstellung der elektronischen Gesundheitskarte einzureichen, warten viele Versicherte nun auf den Start.

Sobald Details zu erfahren sind, werde ich an dieser Stelle berichten.

Quelle:

nh24.de

Gesundheitskarte – die Fronten klären sich

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) nimmt Fahrt auf. Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler (FDP) drängt auf einen raschen Basis-Rollout der eGK in Nordrhein und in weiteren Regionen. So jedenfalls berichtet die Ärztezeitung in einem Bericht von heute.

Die elektronische Gesundheitskarte ist immer wieder wegen der Sorge um die Datensicherheit im Gespräch. Doch die eigentlichen Risiken liegen gar nicht in der Karte. Das zeigte eine Diskussion am 4. Europäischen Datenschutztag in Berlin. Datenschützer, Vertreter der Bundesärztekammer, Verbraucherschützer und selbst ein Vertreter des Chaos Computer Clubs sind sich recht  einig: An der Datensicherheit ist bei der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der dahinter liegenden Telematikinfrastruktur zur Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen kaum etwas auszusetzen. Selbst der Chaos Computer Club (CCC) scheint der Karte mitlerweile einiges abzugewinnen: “Die Kryptografie ist relativ vernünftig gemacht”, sagte Felix von Leitner vom CCC Berlin. Allerdings seien die Anforderungen an die eGK nicht widerspruchsfrei. “Wer sagt, die Gesundheitskarte sei ein technisches Risiko, stellt die Tatsachen auf den Kopf”, so Bartmann. Auch Datenschutzbeauftragte, Patientenvertreter und  ein Vertreter des Chaos Computer Clubs lobten das Sicherheitskonzept der Karte.

“Der Zugriff auf die Patientendaten ist nur im Zusammenspiel der eGK und des elektronischen Arztausweises möglich. Der Schlüssel zur Sicherheit ist dieses Zwei-Schlüssel-Prinzip”, sagte Dr. Franz-Josef Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telematik der Bundesärztekammer und Kammerpräsident in Schleswig-Holstein, bei einer Veranstaltung zum 4. Europäischen Datenschutztag, der unter dem Leitthema Datenschutz im Gesundheitswesen stand.

Die freiwilligen Anwendungen der eGK sollen dabei auch freiwillig bleiben. “Ich beabsichtige auch nicht, hinsichtlich der medizinischen Anwendungen eine Verpflichtung für Leistungserbringer zu schaffen.” So wird der Bundesgesundheitsminister zitiert. Das stand das aber auch nie zur Debatte: es gab nie eine Verpflichtung eines Patienten, an eine der freiwilligen Anwendungen teilzunehmen.

Die paralell zur eGK entwickelten Insellösungen aber auch die neuen elektonischen Patientenakten von Microsoft werden nun als sicherheitstechnisch problematisch wahrgenommen. Das eigentliche Risiko liege derzeit in den Insellösungen, die in manchen Arztnetzen aufgebaut würden, bei denen “der Datenschutz oft gar keine Rolle spielt”. Erst vor kurzem habe er auf einer Konferenz wieder gesehen, wie bei der Vernetzung vorgegangen wird. “Stecker rein, fertig. Die Daten gehen auf einen externen Server im Vertrauen, dass schon alles seine Richtigkeit hat”, sagte Bartmann weiter. Das Recht zur informationellen Selbstbestimmung des Patienten komme häufig überhaupt nicht zum Tragen.

Quellen:

Minister Rösler setzt auf zügige Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte

Rösler drückt bei der Karte aufs Tempo

Ärzte sind mit Gesundheitsdaten oft zu sorglos

Microsofts elektronische Patientenakte “HealthVault” nun auch in Deutschland

Foto: flickr creative commons. Autor: b2b4

Elektonische Patientenakten als Mehrwertanwendung der elektronsischen Gesundheitskarte eGK sind aktuell politisch ausgebremst. Derweil schafft die Industrie Fakten: Die elektronische Patientenakte von Microsoft, die im Ausland bereits verfügbar ist, wird nun auch in Deutschland eingeführt. Das Produkt heisst HealthVault und ist eine internetbasierte elektronische Patientenakte. Microsoft hat am Donnerstag bekanntgegeben, dass der Software-Konzern mit der Siemens AG ein Lizenzabkommen unterzeichnet habe. Siemens wird damit Exklusivanbieter von Microsofts Gesundheitsdatenplattform HealthVault in Deutschland. Es bedeutet auch den ersten Start der Plattform in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union.

HealthVault ist ein Management- und Speichersystem für Gesundheitsdaten. Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und andere Dienstleister können Patientendaten eingeben und in den von Siemens IT Solutions and Services (SIS) betriebenen HealthVault-Datencentern speichern lassen. Die Datenübertragung läuft über verschlüsselte Internet-Verbindung. Die Datenverwaltung soll den Nutzern selbst obliegen, die entscheiden können sollen, wem sie über das Netz Zugriff auf ihre Daten gewähren.

Derweil waren Experten  sich bei der zentralen Veranstaltung zum 4. Europäischen Datenschutztag in Berlin am 28.1.10 einig, dass die Vorstöße internationaler IT-Größen in die Gesundheitswirtschaft nicht den hiesigen Sicherheitsanforderungen entsprechen.

Die Spezifikationen der elektronischen Patientenakte, wie sie in der elektronischen Gesundheitskarte angedacht war erscheint plötzlich als das bessere Modell:  Jörg Caumanns vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik empfand es angesichts der Bestrebungen von Google und Microsoft als “fatal”, dass die vergleichsweise “risikoarme elektronische Gesundheitskarte” von der Politik ausgebremst werde. Die Entwicklung könne hierzulande so von HealthVault und vergleichbaren Angeboten “überrollt” werde. Auch Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), sprach sich dagegen aus, “die Googles und die Microsofts” in die Telematik-Infrastruktur rund um die Gesundheitskarte mit hineinzunehmen.

Bartmann bezeichnete den Aufbau der Telematik-Infrastruktur nebst elektronischer Patientenakte vor allem im Hinblick auf chronisch Kranke für entscheidend. Es gehe um die Behandlung komplexer Gesundheitsprobleme durch mehrere Fachärzte im Bereich der “Hochleistungsmedizin”. Es dürfe aber keine Pflicht geben, sich der E-Health-Architektur anzuschließen, und es dürften keine Profile gebildet werden. Daten dürften zudem nicht im Klartext auf Servern gespeichert werden. Als weitere Bedingung wird genannt, dass die “Kultur der Schweigepflicht” auch unter den Bedingungen der telematischen Vernetzung aufrechterhalten werden müsse. Die Betreibergesellschaft der hiesigen Struktur, die Gematik, müsse hier Standards setzen und die Latte hochschrauben.

Mein Kommentar dazu: dann muß man die Gematik aber auch arbeiten lassen und die politichen Bremsen endlich wieder lösen, ansonsten werden wir elektronische Patientenakten in Zukunft bei Microsoft und Google finden.

Quellen:

FutureZone

HealthVault

Heise Online

elektonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) wird geprüft

Das Bundesgesundheitsministerium lässt zurzeit prüfen, ob Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen in Zukunft auch elektronisch abgegeben werden können. Im Rahmen der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) werden auch Mehrwertanwendungen der eGK geprüft. Hierzu zählt unter anderem die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) sowie die elektronische Meldung von meldepflichtigen Erkrankungen.

Dies berichtet der GKV Spitzenverband.

Im Moment hat das Vorhaben noch den Status eines Pilotprojektes. Zunächst sollen die fachlichen und technischen Anforderungen an die eAU ermittelt und auf dieser Basis eine Pilotanwendung mit fiktiven Versichertendaten entwickelt werden. Über die Berücksichtigung von Datenschutzbelangen gibt es derzeit noch keine Aussagen.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat daher die Informationstechnische Servicestelle der Gesetzlichen Krankenversicherung GmbH (ITSG) in Zusammenarbeit mit dem GKV-Spitzenverband mit einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt beauftragt, eine Machbarkeitsanalyse einer technischen Lösung für die Übermittlung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsmeldung durchzuführen.

Hierzu existiert ein Animationsvideo des GKV Spitzenverbandes.

Quellen:

LexisLexis

GKV Telematik

Medizin-EDV.de

Marktanalyse IKT-Anwendungsbereiche in Nordrhein-Westfalen

Für die Marktanalyse „IKT-Anwendungsbereiche in Nordrhein-Westfalen“ hat das FTK Forschungsinstitut für Telekommunikation im Auftrag von NRW.INVEST in der ersten Jahreshälfte 2009 Untersuchungen in fünf Anwenderbranchen durchgeführt, für die aktuelle Entwicklungen aus dem IKT-Bereich ein hohes Maß an Vorteilen in Hinblick auf Kosteneinsparungen, Verbesserungen von Leistungen und Services sowie Weiterentwicklungen bieten. Die fünf Branchen Logistik, Gesundheit, Energie, Maschinenbau und Chemie & Kunststoff haben ein hohes Entwicklungs- und Verbreitungspotenzial für die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Nordrhein-Westfalen.

Der Bericht handelt also unter anderem auch vom Gesundheitswesen in NRW (ab S.33) und kann hier eingesehen werden. Im folgenden seien aus Sicht der Medizin IT die wichtigsten Stellen zitiert.

Gesundheitswirtschaft in nordrhein -westfalen – Auf einen Blick
Über 1.000.000 Beschäftigte generieren einen Umsatz von 52,4 Milliarden Euro (2008). Sehr enge Kooperation zwischen allen Akteuren der Gesundheitswirtschaft vom Krankenhaus bis zu Anbietern gesundheitsbezogener Synergiebereiche, um neue Angebote zu gestalten und bestehende zu optimieren.
Regionale Schwerpunkte

  • Aachen: Medizintechnik, Gesundheitstourismus, Patientenversorgung / Pflege, Arbeit und Bildung
  • Köln / Bonn: Medizinische Spitzenforschung, Biotechnologie, Gesundheitsversorgung und -ökonomie
  • Münsterland: Innovative Versorgungskonzepte, med. Prävention und Früherkennung,NanoBioTechnologie, Telemedizin, Telematik, Logistik im Gesundheitswesen
  • Ostwestfalen-Lippe: Medizintechnik, medizinische Hilfsmittel, Telemedizin, ambulante Versorgung
  • Ruhrgebiet: Diagnose, Therapie und Rehabilitation, technologische Anwenderregion
  • Cluster Gesundheitswirts chaft .NRW Clustermanagerin: Brigitte Meier
  • Arbeitsbereiche:Medizintechnik, Krankenhaus der Zukunft, Rehabilitation und Gesundheitsvorsorge

Hintergrund: Gesundheitswirtschaft in Nordrhein-Westfalen

Die Gesundheitswirtschaft in Nordrhein-Westfalen birgt ein immenses Potenzial: Sie ist die Branche mit den meisten Arbeitsplätzen und der größten Wachstumsdynamik im Land. Mehr als eine Million Menschen arbeiten in diesem Bereich und die Zahl derBeschäftigten wird weiter steigen. Zum Vergleich: Deutschlandweit waren im Jahr 2006 mit 4,6 Millionen Menschen insgesamt nur knapp fünf Mal so viele Personen in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt wie in Nordrhein-Westfalen. 2007 wurden in der Gesundheitswirtschaft zwölf Prozent des nordrhein-westfälischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Nach wie vor wird die Branche durch die Kernbereiche der stationären und ambulanten Pflege dominiert. Darüber hinaus gewinnen in der Wertschöpfung vorgelagerte Teilbranchen wie  Medizintechnik, Gesundheitshandwerk, Biotechnologie, Handel mit Gesundheitsprodukten oder Pharmaindustrie. Zudem erkennen immer mehr Marktteilnehmer im Gesundheitswesen den wachsenden Wert von neu geschaffenen Synergiebereichen wie Wellness oder Gesundheitsberatung. Seit Mitte der neunziger Jahre sind im Gesundheitswesen über 43.000 neue Arbeitsplätze entstanden, wobei die größten Zentren für Beschäftigung in diesem Wirtschaftszweig die Städte Köln mit knapp 30.000, Düsseldorf mit mehr als 20.000 und Essen mit über 17.000 vorhanden Arbeitsplätzen sind.

Insbesondere die elektronische Patientenakte wird als „sehr wichtig“ eingeschätzt. Die elektronische Gesundheitskarte und der elektronische Arztbrief folgen auf den Plätzen zwei und drei. Aber auch mobile Monitoring-Systeme zur kontinuierlichen Überwachung wichtiger Körperfunktionen haben eine große Bedeutung. Die Stärken Nordrhein-Westfalens werden vor allem im Bereich der elektronischen Gesundheitskarte und der elektronischen Patientenakte gesehen – bei beiden Anwendungen ist das Land maßgeblich an Entwicklung und Verbreitung beteiligt. Aber auch zahlreiche Schwächen werden dem Land attestiert, zum Beispiel bei mobilen Monitoring-Systemen und mobilen Analyse- Systemen sowie im Bereich Umgebungsintelligenz für autonome vernetzte Systeme.

elektronische Gesundheitskarte mit Bezahlungsfunktion?

Die  gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland sollen künftig die Praxisgebühr nicht mehr bar beim Arzt bezahlen müssen. So jedenfalls eine Idee des Bundesgesundheitsministeriums.  Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) kündigte im Gespräch mit der Rheinischen  Post eine Reform der Abgabe an. “Früher hat der Arzt gefragt: ,Was fehlt ihnen denn?’. Heute ist die Antwort: Zehn Euro, Herr Doktor’. Das ist kein guter Start für ein Arzt-Patienten-Verhältnis”, sagte Rösler. “Das wollen wir ändern.” Der FDP-Politiker verlangt ein “unbürokratisches Erhebungsverfahren”.

Dabei werden Modelle diskutiert, die auf ein automatisches Abbuchungsverfahren hinauslaufen. Diskutiert wird etwa, ob die Abgabe künftig über die elektronische Gesundheitskarte eingezogen werden könnte.  Die aktuelle Krankenkassenkarte verfügt über solche Funktionen nicht. Das könnte einer zukünftigen Online-Phase ggf. einen neuen Auftrieb geben.

Wenn die Praxisgebühr automatisch eingezogen wird, eröffnet sich auch die Chance, sie zielgenauer zu erheben. Derzeit hat die Abgabe ihre gewünschte Lenkungswirkung verloren.

Quellen

RP Online Artikel

weiterer Artikel zum Thema

Heise online

Hamburger Ärztekammer gibt elektronischen Arztausweis aus

Die Hamburger Ärztekammer hat laut “Arzt am Abend” damit begonnen, elektronische Arztausweise auszugeben, allerdings im Moment vorwiegend an Ärzte, die im Auftrag der Behörde für Soziales, Gesundheit, Familie und Verbraucherschutz Gutachten nach dem Schwerbehindertenrecht erstellen. Damit sollen sich die Ärzte gegenüber dem Internetportal GovernmentGateway sicher ausweisen. „Wir haben das Projekt von Anfang an sehr unterstützt, weil wir darin neben dem inhaltlichen Erfordernis auch die Chance sahen, uns für einen zunächst überschaubaren Kreis von Kollegen mit dem Procedere vertraut zu machen, welches mit der Herausgabe von elektronischen Arztausweisen verbunden ist“, erklärte Kammerpräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery. Wenn der Startschuss für diese falle, sei dieKammer dann „bestens vorbereitet“.

Auch Microsoft entwickelt ein GovernmentGateway, dabei scheint es sich um eine “Microsoft-Lösungen für die integrierte Verwaltung” zu handeln. Auch weitere Firmen entwickeln ähnliche Lösungen.

Vortrag fey mit GovernmentGateway Vorstellung

GovernmentGateway Vortrag

Hamburg-Service online Dienste

Gesundheitskarte: Neuausrichtung – Positionspapiere der Selbstverwaltung

Unterschiedliche Auffassungen zur Zukunft des Telematikprojekts bei der Politik und der Selbstverwaltung erschweren einen zügigen Neustart, so berichtet das Ärzteblatt in der neuesten Ausgabe. (Online: Artikel)

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hatte angekündigt, die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in der Region Nordrhein fortzuführen. Was das für die bundesweite Einführung bedeutet, ist letztlich offen. Er habe den Plan, mit der Karte auch Re­zepte elek­tro­nisch ab­zu­wi­ckeln, vor­erst ge­stoppt, sagte Minister Rösler der “Han­no­ver­schen All­ge­meinen Zei­tung”. (Quelle) Auch die elek­tro­ni­sche Pa­ti­en­ten­akte wird nach seinen Worten vor­erst nicht auf­ge­nommen. “Ich möchte, dass die In­dus­trie erst einmal nach­weist, dass die ge­spei­cherten Daten tech­nisch si­cher sind”, sagte Rösler der Zeitung.

Gesellschafter wollen mehr Einfluß
Die Notwendigkeit einer sicheren Telematikinfrastruktur wird von allen Akteuren der Selbstverwaltung betont. Dabei positionieren sich die einzelnen Gruppen jedoch unterschiedlich.  So enthält das Ende November 2009 beschlossene Positionspapier des GKV-Spitzenverbandes (Details zur Telematik ab S. 13) einige Vorschläge für einen Neustart der eGK und zur künftigen Rolle der gematik.

Wörtlich heißt es:

Darüber hinaus sind die Möglichkeiten der Kostenträger, den Gestaltungsprozess bei der Einführung aktiv zu begleiten, zu verbessern. Eine Änderung der Mehrheitserfordernisse ist deshalb angezeigt, um die erfolgreiche Realisierung des Gesamtprojektes zu beschleunigen. Nur so ist es möglich, die gegenwärtig noch vorherrschende Komplexität des Systems zeitnah zu reduzieren und die praktische Anwendung der eGK für alle Beteiligten, insbesondere den Versicherten, zu vereinfachen.
Das Konzept für eine Neuausrichtung des Telematik-Projektes hat sich deshalb konkret an den folgenden Eckpunkten zu orientieren:

  1. Bekräftigung eines bundeseinheitlichen Technologiekonzeptes
  2. Konzeption, Entwicklung und Einführung von Fachanwendungen unter besonderer Berücksichtigung und Darstellung der Kosten-, Nutzen und Akzeptanzeffekte
  3. Überarbeitung des technologischen Konzepts der Telematikinfrastruktur, insbesondere zur Erreichung und Sicherung der Online-Anbindung
  4. Festlegung der Verantwortlichkeiten und Aufgabenverteilung zwischen gematik, Gesellschaftern, Industrie und Politik
  5. Tragfähige Einbindung von Lösungsanbietern bei Entwicklung und Einführung von Fachanwendungen und Telematikinfrastruktur-Komponenten
  6. Definition abschließend verbindlicher, realistischer Meilensteine mit Zeitschiene

Wenig überraschend wird also auf eine rasche obligatorische Online-Anbindung der Leistungserbringer gedrängt sowie auf mehr Einfluß der GKV in der gematik. „Eine Änderung der Mehrheitserfordernisse ist deshalb angezeigt, um die erfolgreiche Realisierung des Gesamtprojekts zu beschleunigen“, heißt es.

Auf der anderen Seite hat die Bundesärztekammer (BÄK)  sich nach dem Regierungswechsel erneut positioniert. Sie will sich an der Bestandsaufnahme der eGK aktiv beteiligen und ihre Expertise in den weiteren Aufbau einer Telematikinfrastruktur einbringen. Das erklärte Dr. med. Franz-Joseph Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telematik der BÄK, im Informationsdienst „IT Kompakt“. (Quelle).
Auch die Bundesärztekammer hat ein Positionspapier veröffentlicht.

Darin sollte aus Sicht der BÄK bei der Neuausrichtung die medizinischen Anwendungen im Zentrum stehen. Neu ist die Forderung, dass die Gesamtarchitektur der Telematikinfrastruktur insbesondere auch für telemedizinische Anwendungen wie Telemonitoring und Telekonsultation erweiterbar sein sollte. Jede neue Anwendung sollte außerdem ausreichend getestet werden. Die Neuausrichtung muss laut Bartmann darauf abzielen, die behandlungsrelevanten Daten eines Patienten „auf hochsicheren Wegen immer an dem Ort verfügbar zu haben, an dem der Patient das Gesundheitssystem in Anspruch nehmen muss“. Dies würde auch für mehr Akzeptanz bei den Ärzten sorgen und der Qualität der Patientenversorgung zugute kommen. Des weiteren wird die bisherige Einflußnahme des Bundesgesundheitsministerium kritisiert.

Wörtlich heisst es in dem zitierten Positionspapier:

Die Probleme sind gleichermaßen in der projektbestimmenden Einflussnahme des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) begründet. Der politisch motivierte Zeitdruck führte unter anderem dazu, dass Konzeption, technische Entwicklung und Testmaßnahmen ungeordnet und zum Teil parallel abliefen. Positionen der Gesellschafter zu inhaltlichen Fragen oder zu Aspekten der Projektdurchführung wurden nicht ausreichend berücksichtigt.(….) Die derzeit durch Rechtsverordnung vorgegebenen Testmaßnahmen müssen hinsichtlich ihrer Struktur neu konzipiert und in dieses Grundlagenkonzept eingebettet werden. Grundsätzlich passt das starre Instrumentarium einer Rechtsverordnung nicht zu einem von ständigem Technik- und Wissensfortschritt geprägten Projekt. Die bisher getesteten Anwendungen müssen inhaltlich überarbeitet werden.

Im weiteren wird gefordert, dass die online Anbindung freiwillig sein müsse und ein Bekenntnis zur gematik abgegeben:

Die Entscheidungskompetenz der Gremien der gematik und die Einflussmöglichkeiten der übrigen Gesellschafter werden durch das Modell nicht eingeschränkt.
Die Spitzenorganisationen der Leistungserbringer bekräftigen ihren Willen, die beschlossenen Maßnahmen zum Basis-Rollout fortzuführen. Darüber hinaus muss eine von allen Beteiligten akzeptierte Lösung für die freiwillige Online-Anbindung der Leistungserbringer geschaffen werden. Die Spitzenorganisationen der Leistungserbringer werden mit der gematik die anstehenden Aufgaben zielgerichtet und konstruktiv vorantreiben.

In dem Artikel des Ärztblattes wird eine weitere Überlegung der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in die Diskussion eingebracht: Die Online-Anbindung der Praxen zum Abgleich der Versichertenstammdaten könnte nur über die Kartenlesegeräte erfolgen, ähnlich wie bei EC-Terminals. „Dann wären die gesamten, auf dem PC einer Praxis gespeicherten sensiblen Patientendaten vollständig davon abgekoppelt“, erläuterte KBV-Vorstand Dr. med. Carl-Heinz Müller.

“Sesames Award” für gematik

Bei der Vergabe der diesjährigen „Sesames Awards“ hat die gematik den ersten Platz in der Kategorie „Health Care“ belegt. Der Preis wurde im November im Rahmen der Messe „Cartes & IDentification“ in Paris verliehen.

Der Preis wird in verschiedenen Kategorien vergeben. Im Bereich HEALTHCARE APPLICATION SESAME wurde der erste Preis an die gematik für das eHealth-Portal vergeben (Quelle).

Dabei handelt es sich um einen Prototypen eines „eHealth-Portals” für einen Versicherten mit einer eGK.  Das Nutzungsspektrum ist erweiterbar.  Im konkreten Fall wurde die Online-Anbindung von Versicherten – zum Beispiel vom heimischen PC oder von einem Versichertenkiosk aus – an ein Krankenkassenportal demonstriert. Dabei dient die eGK als sichererer Ausweis.

Mit Hilfe seiner eGK und einem Standardkartenleser meldet sich der Versicherte an einem browserbasierten Webportal der Krankenkasse an. Durch eGK-basierte  sichere Identifikation kann er Daten an die Krankenkasse senden, z.B. seine neue Adresse nach einem Umzug und auch Protokolldaten über Zugriffe auf seine eGK einsehen.  Die Technologie ist bereits mit den eGKs des Basis-Rollouts einsetzbar.

Die in Paris gezeigte Lösung überzeugte die Juroren nicht nur funktional sondern auch hinsichtlich ihrer Anwenderfreundlichkeit und Wartbarkeit.

Sesames Awards Celebrations winners

gematik Pressemitteilung zum Award

SCM eHealth500 nun auch für MCS-ISYNET verfügbar

Bereits vor Monaten wurde das SCM eHealth 500, ein mobiles eGK Lesegerät für die Gesundheitskarte und KVK (alte Krankenversicherungskarte) geliefert, mit einiger Verzögerung ist das Gerät nun endlich unter der Praxissoftware MCS-ISNET betriebsbereit und zwar auch unter Terminalserver.

Dies gilt im übrigen auch für das offenbar baugleiche Hypercom medMobile.

Zu diesem Zweck ist eine neue Treibersoftware, insbesondere eine aktulisierte CTSCM500.dll verfügbar, die auf dem Server im Verzeichnis c:\windows\system32 ausgetauscht werden muß. Dann endlich funktioniert das Gerät auch unter Terminalserver 2003.

Zuvor ist das Gerät in ISYNET unter den Parametereinstellungen zunächst zu aktivieren, dann der genaue Gerätetyp auszuwählen, schließlich wählt man “USB” und den genauen COM Port, den das angeschlossene Gerät auf dem Arbeitsplatz belegt.  Wie bekannt, wird der USB Anschluß unter Windows Terminalserver 2003 nicht an den Server weitergegeben, daher wird der USB port über einen COM Port abgebildet. Den genauen Port sieht man dazu in den Windows Systemeinstellungen nach.  Einziges Handycap bisher: das Gerät muß beim Start der terminal- session angeschlossen sein, um erkannt zu werden.

Zum Auslesen der gespeicherten Karten sollte man sich die erste Karte anzeigen lassen, das Gerät erwingt dann die Eingabe der mehrstelligen PIN, die man bei Ersteinrichtung des Gerätes angeben musste.  Ohne diese PIN erhält man in ISYNET beim Versuch die Karten auszulesen, eine Fehlermeldung.

Nachtrag vom 7.12.: Es erreichte mich eine E-mail von MCS, die ich an dieser Stelle weitergeben möchte:

es ist leider korrekt, dass das Lesegerät zum Zeitpunkt des Starts der Terminalsitzung angeschlossen sein muss. Ansonsten wird der Anschluss, der ja zu dem Zeitpunkt nicht vorhanden ist, auch nicht mit in die Terminalsitzung genommen. Dies lässt sich momentan technisch nicht anders realisieren, bzw. ist mir hier in Bezug auf COM Schnittstellen nichts anderes bekannt. An dieser Stelle müsste ein Weg gefunden werden, den einmal virtuell im Geräte Manager erzeugten COM Port des Clients, auch nach dem Abziehen des Gerätes nicht wieder zu entfernen.

MCS-ISYNET können Sie aber an dieser Stelle geöffnet lassen. D.h. es sollte reichen, die RDP Sitzung z.B. über das Kreuz zu trennen. Dabei wird MCS-ISYNET nicht geschlossen und ist dann nach Anschluss des Gerätes und starten der gleichen RDP Sitzung sofort wieder verfügbar.

Mit der Belegung des gleichen COM-Port bei Anschluss an einen anderen USB Port könnten Probleme auftreten. Hier sollte nach Möglichkeit der Port (unbekannt) funktionieren. Dies werde ich prüfen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Mark Mitchard
Produktmanagement

Herzlichen Dank an Herrn Mitchard für diese Info!

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